„Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 1)

Diese Frage werden sich sicherlich viele Interessenten und vor allem auch die  – zahlenden – Eltern vor einem geplanten  Auslandsaufenthalt stellen, insbesondere natürlich, wenn damit ein mehrmonatiger oder sogar ganzjähriger Aufenthalt im Ausland verbunden ist.  Die Ausführungen in diesem Text gelten grundsätzlich für  Sprachreisen jeder Art und High School Aufenthalte sowie für jede Art von Auslandsaufenthalt, bei dem die Verbesserung der fremdsprachlichen Kompetenzen zumindest ein  wichtiges Ziel neben anderen darstellt (z. Bsp. bei Au Pair Aufenthalten, Work and Travel, Flag Globe with different country flagsFreiwilligendiensten, Hoteljobs, Bezahlten Jobs im Ausland und Studium im Ausland).    
Als erstes fällt einem bei der Antwort zu der oben gestellten Frage  natürlich die erwartete Verbesserung der Sprachkompetenzen in der Sprache  des Ziellandes  ein. Und jeder, der einmal mindestens  1 Woche im fremdsprachigen Ausland war oder  mit einem Rückkehrer nach dem Auslandsaufenthalt spricht/gesprochen hat, wird  dies bestätigt bekommen:
die Fähigkeit, in der Fremdsprache zu sprechen, sie zu verstehen, also in der Fremdsprache zu kommunizieren, nimmt mit jedem Tag des Aufenthaltes zu.  Im Idealfall wird die Fremdsprache zur geläufigen Umgangssprache, bei längerem, mehrmonatigem Aufenthalt wird dies meist sogar zum Normalfall. Dieses eher subjektive Empfinden wird durch die neueren Ergebnisse  der Hirnforschung auch wissenschaftlich bestätigt, denn nach diesen Erkenntnissen funktioniert  Sprachelernen so:
durch kontinuierliches Hören, Sprechen und Lesen.
Und bei einer Sprachreise bzw. einem Auslandsaufenthalt passiert eben genau das. Denn unser Hirn funktioniert immer gleich: “Unser Gehirn lernt immer! Das kann gar nichts anderes und tut nichts lieber. Sie müssen es schon ins Koma legen, damit es aufhört.“ (Prof. Spitzer, 2006) (Weitere Ausführungen dazu finden Sie im Gastbeitrag des Autors unter http://blog.yalea.com/2012/11/welchen-sprachlichen-gewinn-bringt-eine-sprachreise/)
Als Sprachlehrer, der jahrzehntelang von High School Aufenthalten in englischsprachigen Ländern zurückkehrende Schüler/innen unterrichtet hat, kann der Autor dies am Beispiel von unzähligen  vorher-nachher-Klausuren oder Zeugnissen unterrichtlicher Mitarbeit für das Fach Englisch nur bestätigen.
Nun wäre es natürlich unbefriedigend, wenn dieses Ergebnis das einzige eines längeren Auslandsaufenthaltes wäre. Auch wäre diese rein sprachliche Zielsetzung wohl  zu wenig,  um z. B. die Zahl von jährlich ca. 20,000 deutschen  Teilnehmern an den diversen High School Programmen in den letzten Jahren überzeugend erklären zu können oder aber den hohen Zufriedenheitsgrad, den der Diplom-Geograph Michael Weichbrodt in einer aktuellen Studie an der Universität Münster herausfand: knapp 90% der Teilnehmer der Umfrage bewerteten ihren abgeschlossenen  High School Aufenthalt als  „sehr positiv“ oder „positiv“  (Quelle: Weichbrodt, 2013)
Wenn man nach den Gründen für diese positive Beurteilungen eines Auslandaufenthaltes fragt, sind auch hier die besten Informanten wiederum die Personen, die einen längeren Aufenthalt durchgeführt haben (s.hierzu auch die linguport-Seite mit Erfahrungsberichten zu den verschiedenen Programmarten).lang-03

Zusätzlich kann der Autor dieser Zeilen aufgrund  seiner langen Erfahrungen bestätigen, dass einige Ziele, die so auch oft in den Broschüren der Veranstalter zu lesen sind, immer wieder von den Rückkehrern als Merkmale ihres Aufenthaltes genannt werden. Man fasst sie häufig unter dem Begriff der sozialen und interkulturellen Kompetenzen zusammen, die heute auch von bei Einstellungsgesprächen und -verhandlungen eine zunehmende Bedeutung gewinnen.
Selbst wenn nicht jeder Sprachreisende während seines Aufenthaltes jede einzelne Kompetenz erreicht bzw. verbessert, so werden sicherlich die meisten von ihnen während des Aufenthaltes eine Rolle spielen und verbessert werden.
Wie schon oben gesagt, gelten diese Kriterien grundsätzlich für alle Programmarten, wobei je nach Programmart dieser sprachliche Aspekt höher oder niedriger anzusetzen ist  und andere Ziele vorrangiger sind (wie z. B. bei Freiwilligendiensten, Work and Travel u.a.).
Im Folgenden finden Sie eine Liste der mit einem längeren Auslandsaufenthalte verbundenen Kompetenzen in alphabetischer Reihenfolge. Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird je nach Land, Dauer des Aufenthaltes und insbesondere den beteiligten Personen unterschiedlich zu gewichten sein:

Erweiterung des geistigen Horizonts Offenheit
Fähigkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen Reife
Internationalität (im Denken und Handeln) Selbstständigkeit
Kennenlernen neuer Fächer und Arbeitsfelder* Selbstvertrauen
Kompromissbereitschaft Toleranz und Respekt (gegenüber anderen  Menschen, Religionen und Kulturen)
Konfliktbeherrschung Verantwortungsbewusstsein
Menschenkenntnis Verständnis von globalen Konzepten
neue und differenzierte Sicht auf die eigene  Kultur, auf eigene Normen und Verhaltensweisen                                                    u.v.a.

* (als ein Beispiel unter vielen schauen Sie sich zu diesem Thema bei Interesse vielleicht die linguport- Info-Seite zum High School Aufenthalt in Neuseeland an und dort die Infos zu Wahlfächern und Nachmittagsaktivitäten).
Es wird kaum einen Teilnehmer an einem längeren Auslandsaufenthaltsprogramm geben, der die Verbesserung dieser (und anderer) Kompetenzen nicht bestätigen wird.
Im Rahmen der schon oben angesprochenen Studie an der Universität Münster hat nun M. Weichbrodt  weitere  Aspekte eines längeren Auslandsaufenthaltes am Beispiel des High School Aufenthaltes (oft auch als Schüleraustausch bezeichnet,s. hierzu den Kommentar auf der linguport-Seite zum High School Aufenthalt: Ein „Austausch“,der keiner ist) untersucht. Er hat dabei u.a. folgende Fragen gestellt und beantwortet:

  • Worin besteht die gesellschaftliche Bedeutung des Schüleraustausches?
  • Wie gestaltet sich die weitere Mobilität der ehemaligen Austauschschüler in ihrem späteren Leben?
  • Wie hat sich ihr Kommunikationsverhalten geändert?
  • In welcher Form entstehen transnationale Netzwerke?
  • Welche Auswirkungen hatte der Auslandsaufenthalt auf persönliche Einstellungen und die eigene Identität?

Wir werden in Kürze im Detail auf diese Untersuchung und ihre Ergebnisse hier auf dem linguport-Blog eingehen.
zu Teil 2: „Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 2)
zu Teil 3: „Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 3)

weitere Artikel des Autors (Wolfgang Eilmes) zum Thema „Effektivität von Sprachreisen und Auslandsaufenthalten“:
Welchen sprachlichen Gewinn bringt eine Sprachreise? (Gastbeitrag auf blog.yalea)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 1)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 2)

© Wolfgang Eilmes Bilder: © fotolia

Literatur:
Spitzer, Manfred, Lernen-Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Beltz Archiv der Zukunft 2006.
Weichbrodt,Michael, Ein Leben lang mobil? – Langfristige Schüleraustauschprogramme und die spätere Mobilität der Teilnehmer als Element gesellschaftlicher Transnationalisierung, Münster 2013 (Kurzzusammenfassung der Dissertationsschrift)

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