„Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 3)

Mediennutzung  während und nach dem Auslandaufenthalt
War früher der Brief oder das gelegentliche oder seltene, da sehr teure, Telefonat das  übliche Medium für den Kontakt der Schüler im Ausland zu den Eltern und Freund in der Heimat, so hat sich dies in Zeiten des Internets natürlich grundlegend geändert.
Das früher übliche „komplette Eintauchen“ in die neue Kultur und die Sprache sowie das zeitweilige Abnabeln von der Heimat finden heute zumindest in dieser früheren Form kaum noch statt.  M. Weichbrodt bezeichnet die neue Art als „Leben in 2 Welten“.  Hierbei können die  Teilnehmer im Ausland „in Echtzeit“ Nachrichten aus der Heimat ebenso wie sportliche Veranstaltungen verfolgen und auf Wunsch kommentieren, als wären sie selbst „zu Hause“.

Als Medium für ihre Kontakte in die Heimat nannten die Befragten:

email: 90%
Briefe und Päckchen: 41%Fremdsprachen
Skype/Internettelefonie: 38%
Telefon: 35%
SMS: 13%

Der Wegfall dieses „kompletten Eintauchens“  ist aber als ein auch später immer wieder aufttauchendes Zeichen unserer heutigen Zeit nicht nur negativ zu sehen und muss andererseits wohl auch als ein unabwendbares Merkmal  unserer medialen Zeit hingenommen werden muss.
Selbst die Bewertung des  von manchen Anbietern  auch heute noch als nicht wünschenswert oder sogar für das Erreichen mancher Ziele als schädlich beschriebenen  Besuches  der Eltern im Gastland (z. B. während der Weihnachtsferien) kann auch nach vielfältigen  Erfahrungen  des Autors dieser Zeilen  so nicht aufrecht erhalten bleiben, solange der Besuch nicht zu Kontrollzwecken, womöglich noch mit Aufenthalt in der Gastfamilie durchgeführt wird.
Aber warum sollen die Eltern des Schülers nicht –gemeinsam mit dem Sohn/der Tochter – zumindest das Land (oder die Region)  kennenlernen, das/die  der Sohn/die Tochter  für eine längere Zeit besucht?

Zukünftige Entwicklungen

Der mehrmonatige High School Aufenthalt  wird auch in Zukunft von großer Bedeutung für deutsche Schüler sein. Neben den schon genannten traditionellen Zielländern, kommen zunehmend andere Länder (z. B. China, Taiwan, Brasilien u.v.a. ) in den Focus der deutschen Eltern und Schüler.
Zwar wird die demographische Entwicklung  (starker Rückgang der Schülerzahlen) wahrscheinlich für einen Rückgang der Teilnehmerzahlen sorgen, wenn diese TN wie bisher vor allem aus dem gymnasialen Bereich rekrutiert werden.
Wenn man mit den zahlreichen oben angegebenen positiven Aspekten eines solchen  Auslandsaufenthaltes jedoch auf die anderen Schulformen zugeht und den Aufenthalt auch für diese Schülergruppen attraktiv  und als absolut nicht mehr elitär bekannt macht, könnten neue Gruppen für diese  Form des Bildungsaufenthaltes gewonnen werden, die sich mit diesen Gedanken bisher noch nicht intensiv befasst haben.
Bei allem Wunschdenken darf natürlich der finanzielle Aspekt nicht unerwähnt bleiben, der einen solchen  Aufenthalt für viele Eltern auch in Zukunft nur schwer oder gar nicht finanzierbar macht. Die relativ wenigen für deutsche Schüler vorhandenen Stipendien werden diese Situation nicht  wirklich verbessern helfen.  Ebenso werden nur relativ wenige Interessenten einen solchen Aufenthalt nur deshalb anstreben, weil ihr „Heimat-Bafög“ auch einen Auslandsaufenthalt unterstützt.

High School Aufenthalte ab 2 Wochen Dauer

Manche Anbieter haben auf diese absehbaren Probleme schon reagiert und bieten nicht mehr nur Halbjahres- oder Jahresprogramme an, sondern oft auch 3-Monats Aufenthalte an ausländischen High Schools, in Einzelfällen sogar Aufenthalte ab 2 Wochen. Natürlich sind bei kurzen Aufenthalten viele der oben genannte Ziele nur ansatzweise, unvollkommen oder manchmal auch gar nicht zu erreichen, doch ist ein kurzer Auslandsaufenthalt sicherlich besser als gar keiner.

Zusammenfassend kann sicherlich gesagt werden, dass eine Sprachreise, ein High School Aufenthalt oder eine andere Art von Auslandsaufenthalt eine sehr gute Vorbereitung auf die Anforderungen unserer globalisierten Welt bedeuten.
M. Weichbrodt: „Durch den Schüleraustausch und weitere Auslandsaufenthalte entstehen transnationale soziale Praktiken wie physische Mobilität über Grenzen, Kommunikation mit Menschen in anderen Länder und transnationale Netzwerke. Besuche im Gastland sind ein Ausdruck einer engen Verbindung, die dadurch erneut gestärkt werden kann“.

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weitere Artikel des Autors (Wolfgang Eilmes) zum Thema „Effektivität von Sprachreisen und Auslandsaufenthalten“:
Welchen sprachlichen Gewinn bringt eine Sprachreise? (Gastbeitrag auf blog.yalea)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 1)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 2)

Literatur:
Michael Weichbrodt, Ein Leben lang mobil? – Langfristige Schüleraustauschprogramme und die spätere Mobilität der Teilnehmer als Element gesellschaftlicher Transnationalisierung, Münster 2013 (Kurzzusammenfassung der Dissertationsschrift)
©Wolfgang Eilmes

 

 

 

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