„Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 2)

Nachdem im ersten Teil dieses Blog-Themas die sprachlichen und soziokulturellen Ziele einer Sprachreise oder einem anderen längerfristigen Auslandsaufenthalt besprochen wurden,  sollen im 2. Teil weitere durch solche Aufenthalte bewirkten längerfristrigen Auswirkungen auf  das Leben der Teilnehmer betrachtet werden.
Grundlage der Ausführungen und Quelle der Informationen ist  eine aktuelle Studie des Diplom-Geographen Michael Weichbrodt an der Universität Münster unter dem Titel „Ein Leben mobil? – Langfristige Schüleraustauschprogramme und die spätere Mobilität der Teilnehmer als Element gesellschaftlicher Transnationalisierung“.
Im vorliegenden Blog  wird der Begriff  „Schüleraustausch“   durch  „High School Aufenthalt“,  „High School Programm“ allgemein „Auslandsaufenthalte“ ersetzt. (s.  hierzu den Kommentar auf der linguport-Seite zum High School Aufenthalt: Ein “Austausch”,der keiner ist)

Entwicklung der Zahlen

Nach M. Weichbrodt haben seit 1948 ca. 300,000 deutsche Schüler an High School Programmen weltweit teilgenommen.
Einen besonders starken Anstieg verzeichneten die High School-Programme seit etwa 1990:
1990: 4000 TN (=Teilnehmer)
2000: 12000 TNhappy graduates
2001 – 2012: jährlich ca. 20000 TN

Die folgenden Zahlen stammen aus einer Umfrage von M. Weichbrodt unter 3039 ehemaligen TN, die an einem High School Programm in den Jahren 1948 – 2011 teilgenommen haben.

Geschlecht:

70% weiblich, 30% männlich

Schulischer Hintergrund:

90% der TN besuch/t/en in Deutschland das Gymnasium

Alter der Teilnehmer

Knapp 90% der Teilnehmer waren während des Aufenthaltes 16 oder 17 Jahre alt

Länge des Aufenthaltes

ca. 85% der Teilnehmer verbrachten ein volles Schuljahr (=10 – 12 Monate) im Ausland, die restlichen eine kürzer Zeit, meist ein halbes Jahr

Zielgebieteusa map

Die englischsprachigen Länder waren Ziel für 83% der Teilnehmer, mit weitem Anstand (6,5%) folgen die Spanisch sprechenden Länder (Spanien sowie Mittel- und Südamerika).
Die USA waren mit 65% der in der Untersuchung befragten TN das beliebteste Zielland

Weitere Ausbildung nach dem High School Aufenthalt

Die meisten TN haben nach dem Aufenthalt natürlich ihre bisherige schulische Laufbahn in Deutschland fortgesetzt. Interessant ist die Erkenntnis von M. Weichbrodt, dass  95% der Teilnehmer an den High School Programmen anschließend ein Studium absolviert haben (oder z. Zt. der Befragung noch absolvierten)

Bewertung des Auslandsaufenthaltes

90% der Befrgaten werteten ihren Aufenthalt als sehr positiv oder positiv
„Je länger der Austausch dauerte, desto größer ist auch die ihm beigemessene Bedeutung“.

„Welche Bedeutung hatte der Auslandsaufenthalt für das weitere Leben“?

72%: überaus wichtig
24%: eher wichtig

Spätere Mobilität

In einem weiteren Kapitel seiner Arbeit untersuchte M. Weichbrodt die Frage nach der späteren Mobilität der Teilnehmer am Auslandsaufenthalt. Hier zeigte sich, dass die von vielen Arbeitnehmern heute geforderte und sich aus unserer medial gesteuerten Welt ergebende Bereitschaft bzw. Notwendigkeit hierzu bei ehemaligen Teilnehmern sehr ausgeprägt ist:
Fast 80% der Personen, deren High School Aufenthalt länger als 7 Jahre zurück liegt, waren erneut für längere Zeit (> 6 Wochen) im Ausland, die Mehrheit sogar mehrfach.  Als Anlass hierfür wurden vor allem ein Auslandsstudium (54%), Auslandspraktika (46%)  und längere Reisen (34%)  genannt (Mehrfachnennungen waren möglich).

Weitere Kontakte zum Gastland

Da – wie oben beschrieben – der Auslandsaufenthalt von den TN sehr positiv bewertet wird, ist es nicht erstaunlich, dass man das Land dieses Aufenthaltes auch gerne wieder aufsucht: 69% der Befragten waren erneut im Gastland, wobei mit zunehmendem Alter der Anteil der Besucher als auch die Häufigkeit der Besuche sogar noch  zunimmt.

Weitere Kontakte zu den Menschen im Gastland

Zwar nimmt der Kontakt zu früheren Gastgebern, Schulfreunden und Bekannten mit fortschreitendem Alter ab, doch hatten 12 Jahre nach dem High School Aufenthalt immer noch 43% regelmäßigen Kontakt und nur 6% gar keinen  Kontakt mehr.
Auch dies sicherlich ein Zeichen für die positiven Erinnerungen und Auswirkungen eines  solchen Auslandsaufenthaltes.

In Teil 3 werden in Kürze an dieser Stelle  die Mediennutzung während und nach dem Auslandsaufenthalt, die Auswirkungen des Aufenthaltes auf die spätere Mobilität sowie  die erwarteten zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen thematisiert werden.

zu Teil 1: „Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 1)
zu Teil 3: „Was bringt (mir) eine Sprachreise oder ein High School Aufenthalt?“ (Teil 3)

weitere Artikel des Autors (Wolfgang Eilmes) zum Thema „Effektivität von Sprachreisen und Auslandsaufenthalten“:
Welchen sprachlichen Gewinn bringt eine Sprachreise? (Gastbeitrag auf blog.yalea)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 1)
Was können wir von Pep Guardiola (Bayern München) lernen? (Teil 2)

 

Literatur:
Michael Weichbrodt, Ein Leben lang mobil? – Langfristige Schüleraustauschprogramme und die spätere Mobilität der Teilnehmer als Element gesellschaftlicher Transnationalisierung, Münster 2013 (Kurzzusammenfassung der Dissertationsschrift)
©Wolfgang Eilmes

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